Jüdisches Leben sichtbar machen: Jüdische Union beim Mitgliederabend der Grünen Hamburg

Jüdisches Leben sichtbar machen: Jüdische Union beim Mitgliederabend der Grünen Hamburg

Jüdisches Leben sichtbar machen: Jüdische Union beim Mitgliederabend der Grünen Hamburg

Am Montag, den 22. Juni 2026, fand der Mitgliederabend der Grünen Hamburg zum Thema „Antisemitismus in Hamburg wahrnehmen und bekämpfen“ statt. Die Jüdische Union war durch ihren Vorsitzenden Armin Levy auf dem Podium vertreten.

Wir möchten den Grünen Hamburg, den beteiligten Landesarbeitsgemeinschaften Antifaschismus, Kultur, Religionen und Säkulare sowie den Moderatorinnen Dr. Gudrun Schittek MdHB und Miriam Block MdHB von Herzen danken. Es war ein wichtiger, würdiger und wunderschön organisierter Abend, der gezeigt hat, wie notwendig echte Gespräche über jüdisches Leben, Sicherheit, Sichtbarkeit und Antisemitismus in unserer Stadt sind.

In einer Zeit, in der Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder stärker mit Angst, Anfeindungen und Unsicherheit konfrontiert sind, ist es von großer Bedeutung, dass demokratische Parteien Räume schaffen, in denen jüdische Perspektiven nicht nur erwähnt, sondern wirklich gehört werden. Genau das ist an diesem Abend geschehen.

 

v.l.n.r. Rebecca Vaneeva, Armin Levy, Emanuel Meshvinksi, Stefanie Szczupack
v.l.n.r. Rebecca Vaneeva, Armin Levy, Emanuel Meshvinksi, Stefanie Szczupack

 

Auf dem Podium kamen unterschiedliche Stimmen jüdischen Lebens in Hamburg zusammen:

die Jüdische Gemeinde Hamburg als eine der beiden jüdischen Gemeinden der Stadt, vertreten durch Stefanie Szczupak; der Verband Jüdischer Studierender Nord als Stimme jüdischer Studierender, vertreten durch Rebecca Vaneeva; das Jewish Chamber Orchestra Hamburg als Ausdruck jüdischer Kunst und Kultur, vertreten durch Emanuel Meshvinski; und die Jüdische Union als säkulare jüdische Einrichtung mit diversen soziokulturellen Angeboten für Jüdinnen und Juden sowie patrilineare Juden, vertreten durch Armin Levy.

 

v.r.n.l. Armin Levy, Dr. John Meister, Rebecca Vaneeva, Peter Zamory, Emanuel Meshvinski
v.r.n.l. Armin Levy, Dr. John Meister, Rebecca Vaneeva, Peter Zamory, Emanuel Meshvinski

 

Für die Jüdische Union war dieser Abend besonders wichtig, weil er sichtbar gemacht hat, wie vielfältig jüdisches Leben in Hamburg ist. Jüdisches Leben besteht nicht nur aus Religion und Gemeindezugehörigkeit. Es ist auch säkular, kulturell, studentisch, künstlerisch, familiär, sozial und zivilgesellschaftlich. Genau diese Vielfalt braucht Schutz, Anerkennung und politische Aufmerksamkeit.

Die Jüdische Union versteht sich als Ort für jüdische Menschen, die religiös, säkular, kulturell oder biografisch mit dem Judentum verbunden sind. Dazu gehören ausdrücklich auch patrilineare Juden und Menschen, deren jüdische Identität im öffentlichen Diskurs oft zu wenig gesehen wird. Unser Anliegen ist es, jüdisches Leben nicht auf Opferrollen, Sicherheitsfragen oder Erinnerungsarbeit zu reduzieren, sondern als lebendige Gegenwart sichtbar zu machen.

Gleichzeitig dürfen wir die Realität nicht beschönigen. Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich das Sicherheitsgefühl vieler Jüdinnen und Juden massiv verändert. Antisemitismus zeigt sich offen und aggressiv, aber auch subtil, akademisch verkleidet, kulturell relativiert oder politisch verharmlost. Er kommt von rechts, von links, aus islamistischen Milieus und aus verschwörungsideologischen Kreisen. Er begegnet jüdischen Menschen auf der Straße, in Schulen, an Hochschulen, in Kultureinrichtungen, in sozialen Medien und im Alltag.

Deshalb war dieser Mitgliederabend mehr als eine politische Diskussionsveranstaltung. Er war ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass jüdische Stimmen in Hamburg gehört werden müssen. Ein Zeichen dafür, dass Antisemitismus nicht abstrakt behandelt werden darf, sondern aus der Perspektive der Betroffenen verstanden werden muss. Und ein Zeichen dafür, dass Solidarität mit jüdischem Leben konkret werden muss: in Bildung, Kultur, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft.

Besonders begrüßen wir, dass die IHRA-Definition seit dem Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft im November 2024 Leitbild der Hamburger Landesstrategie gegen Antisemitismus ist. Entscheidend ist nun, dass dieses Leitbild in der Praxis ankommt. Es braucht klare Haltung, verbindliche Strukturen, konsequente Bildungsarbeit und den Mut, Antisemitismus auch dort zu benennen, wo es unbequem wird.

Die Jüdische Union dankt den Grünen Hamburg für die Einladung, die sorgfältige Organisation und die ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema. Der Abend war geprägt von Respekt, Offenheit und dem Willen, jüdisches Leben in Hamburg nicht nur zu schützen, sondern auch in seiner Vielfalt wahrzunehmen.

Wir nehmen aus diesem Abend viel Kraft mit. Denn jüdisches Leben in Hamburg ist da. Es ist vielfältig, lebendig und selbstbewusst. Es verdient Sicherheit, Sichtbarkeit, Anerkennung und verlässliche Partnerinnen und Partner in Politik und Gesellschaft.

Die Jüdische Union wird weiterhin daran arbeiten, jüdische Perspektiven in ihrer ganzen Breite sichtbar zu machen, Brücken zu bauen und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten.

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